Sonntag, 26. März 2017

Impressionen von der Leipziger Buchmesse

#lbm17 – Martin Suter und die schreienden Kinder

Die Leipziger Buchmesse 2017 stand dieses Jahr unter dem Dilemma: Zu Hause bleiben – oder die Kinder mit auf die Messe nehmen. Wie es ausging? Meine Kinder hatten einen großartigen Tag auf der Buchmesse! Aber? Der Papa nicht... ganz.
Aber von vorne: Zwei Pflichtveranstaltungen hatte ich mir markiert: Martin Suters Lesung seines „Elefant“ und am Spätnachmittag Takis Würgers Lesung von „Der Club“. Dazwischen wollte ich mein Glück versuchen, ob sich irgendwo Mara Giese am Blauen Sofa erspähen ließ, oder Sophie Weigands roten Rucksack aus den Menschenmassen hervorlugte. Aber wie immer, findet man nie die, die man sucht, dafür jemand anderen… Doch zunächst zu Martin Suter: Großer Andrang fand vor der ARD Bühne statt und wer sich wirklich Illusionen macht, dass zwei 2 bzw. 4-jährige Jungs sich für Schweizer Literatur interessieren, lebt in einer totalen Traumwelt. Der Kleinere zelebrierte mit Verve neue Höhepunkte seiner Trotzphase und der Größere wollte lieber zum Stand vom „Kleinen Maulwurf“ auf der einen, oder zum „Luther-Bus“ auf der anderen Seite der Halle. Zwar bekam ich nur Bruchstücke der Lesung zu hören, aber die anderen Zuhörer bestätigten mir, dass der Schweizer Suter nicht gerade der temperamentvollste Vorleser sei.
...die Kinder hatten definitiv Spaß!
Die Buchmesse Leipzig ist mit Kindern wirklich wunderbar – solange man selbst keine Ansprüche stellt. Die Kinder liebten es, Spiderman beim Cosplay zuzuschauen, bewunderten jedes einzelne Polizeiauto und jeden Rettungswagen und in der Halle mit den Kinderbuchverlagen waren sie sowieso im Paradies. Als der Papa allerdings zwischen Aufbau, Fischer und Hanser hin und her pendeln wollte, um den einen oder anderen Autor, Lektor, Verleger kennenzulernen, streikten die Kinder (folgerichtig). Der eine lief nach Osten, der zweite nach Westen und verschwunden waren sie in der Menschenmenge. Glücklicherweise haben beide laute Organe und waren durch Schallortung leicht wiederzufinden.
Kurz vor dem Nervenzusammenbruch landete ich beim Stand der Schweizer Buchhändler und Verleger. Dort saß ein Typ der aussah wie Takis Würger und wir starrten uns verdutzt an, als kannten wir uns irgendwoher. Irritiert lief ich weiter und googelte erstmal, ob Takis Würger wirklich so aussieht, wie der Typ am Stand. Als ich mir zu 85% sicher war und der Mann mehrere Exemplare von „Der Club“ signiert hatte, schien es recht
Ich will auch einmal so ein großer
Schriftsteller werden! 
wahrscheinlich, dass es vielleicht echt Takis Würger war. Ich fragte ihn, ob bei seiner Lesung Kinder zuhören dürften und er nickte bejahend. Als ich hinzufügte, dass diese Kinder auf Lesungen gerne laut herumschrieen, grinste er: „Normalerweise hätte ich Nein gesagt. Aber hier ist es eh schon so laut. Also kein Problem!“ Na gut, da ich unbedingt auch ein Autogramm wollte, kaufte ich rasch sein Buch und lies es mit meinem Arbeitsamts-Kuli signieren. Und spätestens da war ich ein Fan, Takis Würger grinste und fragte, ob er den Stift nicht ausborgen dürfe – ein Arbeitsamts-Kugelschreiber sei der perfekte Signier-Stift. Ich habe ihn nie wiedergesehen. Den Stift meine ich.
Takis Würger las übrigens wundervoll melodisch mit sanfter, leiser Stimme. Das Buch war ebenfalls wesentlich poetischer als ich erwartet hatte und begeisterte mich sofort.
Und nach der Lesung, als zwei gestresste Elternteile die Messe von ihren wilden Kindern erlösen wollten, stand auf einmal Constanze von der LISA Schrobenhausen vor mir. Ganz beiläufig erwähnte sie, dass auch Arwed Vogel, mein literarischer Lehrmeister hier sei. „Wo denn?“ „Da!“ Arwed Vogel war nicht nur als Autor, sondern in erster Linie in seiner Funktion als Vorsitzender der FDA Bayern, der Autorengewerkschaft von ver.di auf der Messe. Und da Arwed meine Familie bereits seit vielen Jahren kennt, wurde mir erst bewusst, was der Schriftsteller-Papa seinen Kindern so zumutet: Schreibwerkstatt Barliano, Rabenmoos-Alm, Lesungen im von Rönne'schen Garten und jetzt auch noch die Buchmesse. Da war ich schon wieder dankbar, dass ich überhaupt in Leipzig war und immerhin eineinhalb tollen Lesungen beiwohnen durfte! Auch wenn ich nicht einmal die Traunsteiner Messe-Veteranen Nora Berger und Jürgen Eglseer gefunden hatte...
Für nächstes Jahr habe ich mir deshalb vorgenommen, besser organisiert zu sein.

Folgende Tipps für die Buchmesse Leipzig kann ich Euch noch mitgeben:

Das Belmondo ist ein tolles Hotel - liegt allerdings näher an
Halle denn Leipzig...
  • -        Bereitet euch im Vorfeld akribisch vor!
  • - Welche Lesungen wollt ihr hören?
  • - Zeitplan erstellen!
  • - Wo finden die Lesungen statt?
  • - Wann und wo sind befreundete Blogger, Autoren anzutreffen?
  • - Welche Messestände will man unbedingt besuchen?
  • - Wo sind die spannenden Abendveranstaltungen wie die Litpop?
  • - Nicht vergessen, rechtzeitig ein Hotel zu buchen. 25 km Entfernung sind nicht mehr Innenstadt…
  • - Kinder können im Messe-Kindergarten abgegeben werden.
  • - Ein Tag Buchmesse ist definitiv zu wenig

Letztes Jahr war ich in Leipzig übrigens erfolgreicher: Über Ohrfeigen, Lit-It-Girls und Literatur-Rabauken


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