Samstag, 15. April 2017

Lektüre: Takis Würger - Der Club

Takis Würger - Der Club
Von Takis Würger wusste ich nichts. Außer, dass er sich manchmal als Ronja von Rönne verkleidete und mal - warum auch immer - mein Autorenportrait auf Instagram geliked hatte.
Auf der Leipziger Buchmesse starrte mich dann dieser Riese an, der aussah wie Takis Würger und da er keine Anstalten machte, es nicht zu sein, kaufte ich ihm ein Buch namens "Der Club" ab.
Und was soll man sagen: Nach den ersten Kapiteln könnte man fast ausflippen vor Neid, wie dicht und berührend die Kindheit von Hans Stichler beschrieben wird. Danach war ich beinahe erleichtert, dass das Drama zu einem Krimi im Cambridge-Milieu wurde. Meine Hoffnungen, dass die Story dadurch abflachte, erfüllten sich allerdings nur kurz. Denn obwohl ein Großteil von "Der Club" nicht ohne Augenzwinkern und mit (hoffentlich) überspitzten Charakteren beschrieben wird, das Lachen bleibt einem bald im Halse stecken, so einfühlsam beschreibt er wenigstens seine beiden Hauptprotagonisten Hans und Charlotte. 
Auf der Leipziger Buchmesse
Beide lernen sich in der britischen Elite-Universität Cambridge kennen. Hans, ein hoch talentiertes Waisenkind, dessen Eltern früh starben, wurde von seiner Tante Alex nach Cambridge eingeschleust, um einem Verbrechen auf die Spur zu kommen. Im renommierten "Pitt-Club" soll es nicht mit rechten Dingen zugehen. Charlotte, Tochter aus bestem Hause, verschafft dem Boxer Hans Zugang zum Club. Natürlich verlieben sich beide, doch sowohl Liebes- als auch Kriminalgeschichte sind nur Nebenaspekte eines sehr berührenden Leseerlebnisses. Sowohl Hans' als auch Charlottes Lebensgeschichte werden samt ihrer Schicksalsschläge auf sensible Weise beschrieben, während die versnobbten, menschenverachtenden superreichen Mitglieder und Möchtegern-Mitglieder des Pitt-Club wie Karikaturen daherkommen. Hofft man  zumindest, denn Takis Würger hat selbst in Cambridge studiert und man mag gar nicht wissen, wie viel der überzeichneten Charakterzüge von Hans' Kommilitonen er der Realität abgeschaut hat. Einen der bekanntesten Sätze im Buch legt er dem Pitt-Club Mitglied Josh in den Mund: "Und wie geil ist bitte Butter?" - besser kann man einen Charakter gar nicht umschreiben. Wie gut es gelingt, ganze Lebensbiografien in einem Satz zu beschreiben, zeigt auch folgender Charlottes: "Als ich sechzehn war, hatte ich Unmengen Hühner gezupft, mit dem Sohn des Restaurantbesitzers geschlafen und gelernt, dass das Leben mehr zu bieten hatte als Zitronentartelettes."
Nur kurz, als der Roman seinem unvermeidlichen Ende zustrebte, war ich kurz enttäuscht, dass meine Erwartungen als Leser zu offensichtlich auf dem Silbertablett serviert wurden. Bis das Ende tatsächlich in die Geschichte knallte. Anschließend wusste ich, dass dies eines der Bücher ist, die man noch ein zweites Mal aufmerksam lesen muss...

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